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Dokumentationsstätte Regierungsbunker




 Rheinland Lokal News

 Dokumentationsstätte Regierungsbunker
25.02.2008 | 09:32 Uhr   News drucken

Dokumentationsstätte Regierungsbunker
Dokumentationsstätte Regierungsbunker
BERICHT AUS BONN vom 24. Februar 2008
Vom "Gasthaus zum letzten Stündchen" bleibt ein Bunkermuseum

In der Anlage zum Bericht aus Bonn finden Sie: ein Foto

Bildzeile: Auf 200 Metern vermittelt die Dokumentationsstätte Regierungsbunker ab 1. März ein Bild davon, wie es in den 19 Kilometer langen Tunneln von Deutschlands geheimstem Bauwerk aussah.
(Foto: Werner Mertens, Bad Neuenahr-Ahrweiler)

ib Bonn/Bad Neuenahr-Ahrweiler - Der Ausweichsitz für die Verfassungsorgane war einst der geheimste Ort der damaligen Bundesrepublik. Ab 1. März sind zumindest 200 Meter des ehemals 19 Kilometer umfassenden Regierungsbunkers im Ahrtal als Dokumentationsstätte zugänglich.

Von Friedrich Kuhn (ddp)
Bad Neuenahr-Ahrweiler - Er wurde das "Gasthaus zum letzten Stündchen" genannt: Der tief unter den malerischen Weinbergen gelegene nuklearfeste Regierungsbunker der "Bonner Republik" im Ahrtal in der Nähe von Bad Neuenahr-Ahrweiler. Aus dem Kilometer weiten umfangreichen Röhrenverlies wollte die Bundesregierung bei einem Inferno der Atompilze über Deutschland den Rest des übriggebliebenen Landes regieren. Das kleine Bunkermuseum, das am Donnerstag nächster Woche eröffnet wird, gibt einen Einblick, wie von 1966 bis 1989 alle zwei Jahre das Unfassbare "am Schreibtisch" geübt wurde.
So sah das Szenario aus, das den Hintergrund des unterirdischen "Trocken-Manövers" bildete: Der Warschauer Pakt ist aufmarschiert, greift in kurzer Zeit blitzschnell an, sowjetische Panzer stehen bereits am Rhein. Die Vorneverteidigung an der Grenze der Bundesrepublik ist überrannt. Der lebensnotwendige Nachschub aus den USA ist im Atlantik von sowjetischen U-Booten gekappt worden. Dem Westen bleibt kein anderer Ausweg: Er muss an das Schlimmste denken, den Nuklearkrieg. Es werden Atomschläge ausgelöst, um den Ansturm aus dem Osten zum Stehen zu bringen.
Die rund 3 000 Menschen im Ahrbunker, der Bundespräsident, der Bundeskanzler und alle Mitarbeiter sowie Bundeswehroffiziere, hätten mindestens 30 Tage ohne Verbindung zur Außenwelt durchhalten können. Was dann passieren sollte, wenn Deutschland ein atomarer Trümmerhaufen gewesen wäre, konnte noch nie jemand wirklich beantworten. Die Atmosphäre im Übungsbunker wurde von Teilnehmern immer wieder als "gespenstisch" und "niederschmetternd" geschildert. Wer in der "Untertagewelt" beschäftigt war, musste sich schriftlich verpflichten, nicht einmal seinem Ehepartner davon zu erzählen.
Der "Krieg per Computer und am Bildschirm" lief völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit ab. Der Name des geheimen Manövers, bei dem sich kein Panzer, kein Soldat im Feld bewegte: "Winter-Stabsrahmenübung": Wintex-Climex (Winter-exercise, Civil military exercise).
Im Bunker unter dem idyllischen Rotweinwanderweg der Ahr wurde Tag und Nacht an Karten, Lagebeurteilungen und Depeschen gearbeitet. Das Kriegskabinett musste entscheiden, wie die Panik der bundesdeutschen Bevölkerung aufgefangen werden kann, die einsetzenden Flüchtlingsströme geleitet und Gegenangriffe gestartet werden können. Das Übungskabinett überprüfte mit den anderen NATO-Partnern von den USA bis zur Türkei alle Verfahren, die für eine Krise, einen Spannungs- oder Verteidigungsfall vorbereitet worden waren.
Hauptziel war die Erprobung des Zusammenspiels der NATO-Verbündeten auf allen Ebenen.
Die militärischen Stäbe überprüften die Pläne zur Gesamtverteidigung des NATO-Gebiets. Die zivilen Beamten beurteilten die Rechtsgrundlagen für die einzelnen Verfahren zur Abwicklung der Versorgung der Bürger und Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Nach der 14-tägigen Übung wurden die Ergebnisse analysiert. Die Erfahrungen wurden den zuständigen parlamentarischen Gremien zur Kenntnis gebracht.
Immer wieder hatten sich nach Aussage von "Bunker-Offizieren" etliche Schwachpunkte in der Verteidigungsfähigkeit der NATO ergeben. Sie hätten vor allem bei der Fähigkeit zur Aufklärung, der elektronischen Kampfführung, bei der Sanitätsversorgung, den Sicherungsverbänden im rückwärtigen Raum und in der Koordination der Luftverteidigung gelegen.
Bei dem unheimlichen Übungsgeschehen gab es nicht selten unter den Teilnehmern medizinische Probleme. Die Bunkeratmosphäre wirkte sich vor allem auf den psychischen Zustand aus. Es gab stets eine Reihe von Nervenzusammenbrüchen. Trotz aller Verpflichtungen mussten dann die Frauen oder Männer das Bunkerverlies verlassen. Die angespannte Nervenlage "entlud" sich am Ende des zweiwöchigen unterirdischen Daseins in "Abschiedsparties", die durchweg als "ganz schön üppig" geschildert wurden.

Termin: Donnerstag, 28. Februar, 11 Uhr, Einweihung und Schlüsselübergabe der Dokumentationsstätte Regierungsbunker, Zufahrt oberhalb der Roemervilla, Am Silberberg, Bad Neuenahr-Ahrweiler. Kontakt: Andreas Kübler, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Telefon (0 30 18) 4 01 84 32, E-Mail andreas.kuebler@bbr.de. Öffnungszeiten der Dokumentationsstätte: mittwochs, samstags und sonntags, 10 bis 17 Uhr

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